Nessus + Kentauren



Pompeo Batoni 1770

Am linken Bildrand ist Nessus bei seinem Job (Fährmann am Fluss Evenus) zu erkennen. In der Mitte unterrichtet Chiron den griechischen Held Achill im Lyraspiel, Kräuterkunde, Weissagung und Kampfkunst. Am rechten Bildrand erkennt man Pholus mit Pfeil und Bogen, der Chiron beim Unterricht sekundiert.

Kentaurengedicht

Der Chiron zuerst,
möchte dich fragen,
was du begehrst.
Du kannst sagen,
– alles –
und kriegst nur die Hälfte des Balles
Du kannst sagen,
– nichts –
dann erfährst du die Strahlen des Lichts.
Du kannst auch denken,
ich lass mich überraschen,
und Chiron wird dich beschenken
mit vollen Taschen.
Er sammelt für deine Leiden Kräuter,
dadurch wirst du läuter’
und schliesslich zum Deuter;
und bei deiner Arbeit
offeriert Chiron sein Geleit …

Pholus ist das Partnergestirn
und ist neu in unserm Hirn.
Er möchte nicht klagen,
sondern uns höher tragen.
Mit einem Partner zusammen
wird er uns entflammen.
Ohne Partner sagst du nur:
«Ich begehr!»
ansonsten ist dein Leben leer.
Dann setzt du dich zur Wehr,
und wartest tränenschwer
auf seine Wiederkehr …
Stets auf der Suche nach der Mitte
macht er seine Visite,
dabei achtet er auch auf Sitte
und sagt immer «Bitte».
Die Ausgeglichenheit
ist seine Angelegenheit,
und seine Besonnenheit
führt zu Gerechtigkeit.
Als Wegbereiter
ist er unser Begleiter
und stets heiter …

Bei Nessus wird die Sache kompliziert,
denn er ist weder illustriert
noch kultiviert
aber garantiert
autorisiert!
Er ist der Dreizehnte und damit der Verfemte.
Er ist der Neue Planet
und auch der diskrete Prophet.
Er ist der Interpret
und nimmt uns ins Gebet.
Auch als Athlet und Prolet
wirkt er ständig aufgedreht.
Er zeigt uns neue Dimensionen
und möchte betonen,
dass sich das Thronen
in diesen Regionen
wird lohnen.
Er ist universell
und somit ein Rebell
und äusserst aktuell.
Sein Zeremoniell
ist speziell
sensationell,
und sein sexuelles Gebaren
nicht unerfahren.
Er sagt uns klipp und klar,
hier ist Gefahr,
habt keine Not,
denn es gibt keinen Tod.
Wagt doch den Sprung,
hin zur Veränderung
eures Lebens,
sonst lebt ihr vergebens …

Urs Schläpfer, August 2001