Aus der Praxis

Fallstudie 1:

Wo ist Kater «Merlin»?

Es war mitten im Winter. Tags zuvor fegte ein Schneesturm übers Land und nun gefror alles bei arktischen Temperaturen. Am Tag darauf rief mich völlig aufgelöst eine Frau von ihrem Geschäft aus an und bat mich verzweifelt um Hilfe bei der Suche nach ihrem Kater – Merlin.

So begann meine Karriere als «Cat-Finder».

Nun, ich hatte zwar schon Seminare über Stundenastrologie besucht, habe aber oft nur darüber gestaunt, dass es möglich sein soll, Tiere, Gegenstände und Menschen anhand eines Sternbildes zu finden.

Es war gegen neun Uhr morgens, als mich die Frage dieser verzweifelten Frau erreichte. Sie ängstigte sich sehr, dass ihrem «Merlin» etwas zugestossen sein könnte und dass er vielleicht bei diesen tiefen Temperaturen erfrieren könnte. Denn ihr dreijähriger Kater war bisher abends stets zu Hause. Noch nie war er längere Zeit fort, und ausgerechnet jetzt, nach diesem fürchterlichen Schneesturm, tauchte er nicht mehr auf.
Ich sagte Ihr, dass ich versuchen werde, ihr zu helfen und dass ich ihr in etwa einer Stunde zurückrufen werde; auch dass dies mein erster praxisnaher Fall wäre und dass ich darum etwas Zeit bräuchte, um den Fall nach den streng klassisch ausgerichteten Regeln auszuarbeiten.
Nach etwa fünfzig Minuten war ich soweit und rief sie im Geschäft an.

«Liebe Frau, es zeigt sich im Horoskop ganz klar, dass Sie hypernervös sind, denn Ihr Kater Merlin ist Ihnen sehr ans Herz gewachsen; er ist Ihnen fast so lieb, wie ein Kind.»

Völlig überrascht fragte sie, ob man dies alles aus dem Horoskop ihrer Frage lesen könne?
Ich bestätigte.

«Aber es gibt da noch mehr Anhaltspunkte. Zuerst einmal müssen Sie sich keine Sorgen machen. Merlin lebt noch und erfrieren muss er auch nicht, trotz der tiefen Temperaturen. Denn er befindet sich an einem Ort, an dem er warm hat. Leider kann er dort im Moment nicht heraus, aber in spätestens drei Tagen sollte er selbst wieder nach Hause zurückkehren können. Vielleicht ist er aber bereits nach drei Stunden zu Hause.
Nun denn, falls Sie sich auf die Suche machen wollen, empfehle ich Ihnen, in östlicher Richtung zu suchen, bis etwa 400–1300 Meter von Ihrem Haus entfernt könnte er sich befinden. Er hält sich wahrscheinlich in einem Gebäude auf, das mit Trennwänden errichtet wurde, darum muss er auch nicht frieren. Dieses Gebäude ist dunkelfarbig, so zwischen schwarz und dunkelbraun. Und auch wenn Sie ihn nicht sofort finden, es geht ihm gut.»

Überschwenglich bedankte sich die Frau und versprach, sich sofort mit meinen Hinweisen auf die Suche zu machen. Sobald sie ihren Merlin gefunden hätte, würde sie mich darüber informieren.
Bereits am anderen Morgen erreichte mich ihr Anruf. Vor Erstaunen und vor lauter Freude brachte sie kaum ein Wort hervor.
Nun wollte ich von ihr den genauen Ablauf nach meinem gestrigen Telefon erfahren, um auch selber die Horoskopaussagen mit der Wirklichkeit zu vergleichen.

Eine Arbeitskollegin habe sie gegen zehn Uhr von der Arbeit nach Hause gefahren, denn mit ihrer Nervosität hätte sie kaum selber fahren können.
Am Mittagstisch hätte sie dann allen erzählt, was ich so gesagt habe. Plötzlich sagte ihr Schwiegervater: «Was? Ein dunkles Gebäude? Errichtet mit Trennwänden? In östlicher Richtung? Warte mal, das ist doch der Autoeinstellplatz vom Nachbarn, etwa 400 Meter von hier!»
Gemeinsam machten sie sich auf den Weg. Bei dem Gebäude angekommen, riefen sie nach Merlin. Und tatsächlich, war das nicht das Miauen einer Katze, anfangs kaum zu hören aber immer lauter werdend? Im Prinzip mussten sie nur noch die «Klappe», die sich leider nur nach innen öffnen liess, hochheben, und schon sprang Kater Merlin, auch überglücklich, in ihre Arme.

Mensch das war ja ein Ding!

Danach sagte ich ihr noch, dass ich mich freuen würde, wenn sie mir für meine Mühe 50 Franken zuschicken könnte – und falls in ihrer Umgebung wieder mal eine Katze nicht nach Hause käme, wisse sie jetzt, wer bei der Suche helfen könne.
Nachträglich habe ich dann selber gestaunt, zu was die Astrologie alles nützlich sein kann, und wie stimmig sie doch ist.
3 Stunden nach meinem Anruf hatte sie ihren Merlin wieder. Wenn sie nicht gesucht hätten, wäre Merlin wahrscheinlich am Wochenende zurückgekehrt, also nach drei Tagen. Denn übers Wochenende hätte der Nachbar sicher sein Auto in die Garage gestellt, und Merlin hätte stolzen Hauptes, ein bisschen hungrig zwar, seinen Heimweg durch die tiefverschneiten Gärten antreten können.

Fallstudie 2:

Wo ist mein HausschlÜssel?

Zu Besuch in Deutschland:
Die Hausherrin hat vor 1–2 Tagen ihren Hausschlüssel «verlegt». Alles Nachdenken und Suchen brachte nichts. Sie war sich zwar sicher, dass sie den Schlüssel das letzte Mal in den Händen hatte, als sie sich im Untergeschoss aufhielt.
Glücklicherweise hatte ich meinen Laptop dabei. Sofort vertiefte ich mich ins Fragehoroskop: Dieser Hausschlüssel befände sich in südöstlicher Richtung und zwar an einem Ort, der tiefer gelegen ist, als da, wo wir uns jetzt befinden. Die Umgebung oder allenfalls der Boden, hätte die Farbe grau. Na ja, der Boden im unteren Stockwerk war zwar mit grauem Linoleum ausgekleidet. Die fieberhafte Suche blieb jedoch erfolglos.

Zwei Tage später, schon wieder zurück in der Schweiz, erreichte mich ihr Anruf. Die Hausherrin hatte den Schlüssel wieder. Ihre Tochter, die in südöstlicher Richtung, etwas weiter unten als ihre Mutter wohnte, brachte ihr die vergessene Strickjacke zurück. Und in der Tasche dieser grauen Strickjacke befand sich – ihr Hausschlüssel!

Fallstudie 3:

Noch einmal: Wo ist meine Katze?

Diesmal war es Flavia, die mich anrief, eine Mitschülerin vom Feng-Shui-Ausbildungs-Seminar. Der Anruf erreichte mich an einem Dienstag, sie vermisste ihre Katze seit vergangenem Freitag.
«In einer halben Stunde rufe ich zurück», sagte ich ihr.

Nach einer halben Stunde war die Sache astrologisch klar.
«Liebe Flavia, deine Katze steckt in einer Art ‹Delirium›, was habt ihr mit eurer Katze gemacht?»
«Ach ja, wir mussten ihr letzten Freitag, laut Tierarzt, ein Entwurmungsmittel verabreichen. Stimmt, danach war sie plötzlich weg und ist bis heute nicht mehr aufgetaucht.»
«O.K., mach dir keine Sorgen, in spätestens 6 Tagen nach ihrem Verschwinden, wird sie wahrscheinlich wieder auftauchen.
Wenn ihr sie suchen wollt, haltet euch in nördlicher Richtung, vielleicht in der Nähe von Wasser. Möglicherweise ist sie nicht leicht zu finden, denn Katzen besitzen eine Art ‹Selbstheilungsapparat›, sie können sich selbst heilen. Dafür brauchen sie jedoch Ruhe und ziehen sich dafür zurück. Für deine Katze war dieses Entwurmungsmittel etwas, das ihr Körper noch nicht kannte und entsprechende Auswirkungen auslöste. Delirium ist das richtige Wort dafür, es wurde ihr ‹trümlig›. Mach dir weiter keine Sorgen, sie ist noch am leben.»
«Vielen Dank für Deine Infos, ich gebe dir Bescheid falls wir sie gefunden haben oder sie zurück ist.»

Am drauffolgenden Samstag kam das erlösende Telefon:
«Stell dir vor, gestern Abend, 6 Tage nach dem Verschwinden, um 23:00 Uhr stand unsere Katze vor der Tür und begehrte Einlass, wie wenn nichts gewesen wäre. Uns allen ist ein Stein vom Herzen gefallen!»

Mir auch.